Wie ich Kleinstadthexe wurde…

Eigentlich fühle ich mich noch nicht wie eine Hexe, genauso wie ich mich noch nicht wie eine Erwachsene fühle oder auch nicht wirklich weiß, ob ich überhaupt irgendwas bin.

Manchmal verliere ich mich in den Gedanken, dass ich zu wenig oder zu viel bin. Oder einfach nichts so richtig. Als würde ich die ganze Zeit darauf warten, dass eine kleine Fee vorbei schwirrt und mir mit einem Zauberstab auf den Kopf haut: „Du bist jetzt XYZ!“

Als ich klein war und gefragt wurde, wie ich heiße: „Hellena, Kindergarten, Schule!“ Mir war einfach klar, ich wollte nach dem Kindergarten in die Schule. Ich war neugierig, wissbegierig. Die Welt um mich herum war einfach so interessant! Vielleicht habe ich deshalb auch jetzt keine Ahnung, wer ich eigentlich bin. Kindergarten und Schule sind vorbei. Wer bin ich denn jetzt?

Bei langen Autofahrten hat meine Mutter mir immer erzählt, sie hätte gerade einen Zwerg gesehen am Straßenrand. Oder eine Fee, Elfe oder irgendein anderen kleines Zauberwesen. Danach habe ich mit der Nase an der Fensterscheibe geklebt und wollte eins dieser Wesen selbst sehen. Manchmal hatte das Gefühl, dass sich was bewegt hat, was aufgeblitzt ist, oder da eine kleine rote Mütze war, die schnell im hohen Gras am Straßenrand verschwand.

Generell haben meine Eltern beide dazu beigetragen, dass ich die Welt mit viel Wundern und Staunen betrachtet habe. Sie haben mich und meine Fragen ausgehalten, haben mir Geschichten „aus dem Mund“ erzählt (das war meine Art zu sagen: „Nein, ich will keine Geschichte aus einem Buch! Ich will eine, die du dir selbst ausgedacht hast!“) und mir immer und immer wieder den Raum gegeben, die Welt mit meinen Augen zu sehen.

Lange Zeit habe ich sehr logisch und sehr objektiv versucht durch das Leben zu gehen. Rational – kein Glaube, nicht mal an mich selbst (okay, der Teil ist immer noch da).

Aber ich glaube. Daran, dass da etwas ist. Irgendwas. Nicht unbedingt EIN Wesen. Oder mehrere. Aber da ist ein Plan. Für jeden von uns. Nicht komplett ausformuliert. Ein paar Punkte stehen fest. Ein paar Lektionen sind zu lernen. Ein paar Ereignisse zu bestreiten. Alles weitere und wie du zu diesen Stationen in deinen Leben kommst, wie du mit ihnen umgehst? Das ist die überlassen. Du bist immer noch dein eigener Mensch. Dies ist immer noch dein eigenes Leben.

Ich hatte mich lange in der Welt da draußen verloren. Die kleine Stimme in mir war zu leise, zu zaghaft, um mich wirklich aufzuwecken. Nach einer Zeit mit vielen Lebenslektionen für mich, die mich dazu geführt haben, wieder die kleine Hellena zu hören, war da diese Seite von mir wieder. Die sich gewundert hat, die neugierig war, und die gefühlt hat. Irgendwas war anders.

Es ist immer noch schwierig dieser Seite von mir Platz zu geben. In meinem Leben und in mir selbst. Sie fühlt sich so anders an. Sie macht, dass ich nicht einfach nur funktioniere. Ich will nicht nur noch funktionieren. Das kann nicht alles sein. Ich brauche diese Seite, um mich vollständig zu fühlen.

Durch die Beschäftigung mit Wicca, Tarot, Wildkräutern und dem damit verbundenen Lesen (und Lernen, meinen beiden Leidenschaften aus meiner Kindheit) wurde ich irgendwie die Kleinstadthexe. Auch wenn ich mich noch nicht so fühle. Auch wenn ich noch viel zu lernen habe. Die Kleinstadthexe fühlt sich richtig an. Wahrhaft an. Die Kleinstadthexe fühlt sich wie Hellena an.

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